Alles, was ich wollte, war ein großartiges Leben. Ein phantastisches Leben. Ein Märchenleben. Ein Leben vollkommen frei von Scherben, Schelte und Scherereien. Ohne >>O ... hell<<-Gefühl. War das denn zu viel verlangt?Adrian Mayfield, noch keine siebzehn Jahre alt, verliert seine Anstellung als Ladenjunge in einem Herrenmodegeschäft, und steht auf der Strasse, ohne Geld, ohne ein Dach über dem Kopf. Er sucht zunächst Unterschlupf bei seinem Vater, doch von dem gealterten Schauspieler und Säufer kann er keine Hilfe erwarten. Und vor den Moralpredigten und den Binsenweisheiten seiner strengen Mutter fürchtet er sich. Denn Andrian will sein Leben nicht als Ladensklave verbringen, wozu ihn seine Mutter bestimmt drängen würde. Was gibt es schon sonst für Möglichkeiten für einen Jungen wie ihn? Von Hunger geplagt entscheidet sich Adrian, einem Kunden des Herrenmodegeschäfts einen Besuch abzustatten, Augustus Trops, der dem Jungen bei einem seiner Einkäufe seine Visitenkarte gegeben hatte. Dieser ist Maler, und bietet Adrian an, ihm für ein nettes Gehalt Modell zu stehen. Trops führt Adrian in den Kreis um Oscar Wilde ein, wo er den Maler Vincent Farley kennen lernt, der Adrian auch als Modell für eins seiner Gemälde haben will.
Anfangs kann sich Adrian von dem Geld, das er von Trops und Farley bekommt, ein billiges Zimmer mieten, sodass er wenigstens ein Dach über dem Kopf und etwas zu essen hat. Doch er träumt eher davon, ein festes Mitglied an Oscar Wildes Tisch zu sein, und dazuzugehören. Als die Ferienzeit beginnt und seine 'Freunde' in den Ferien fahren, bleibt Adrian ohne Einkommesquellen zurück, und sieht keine andere Wahl, seinen Lebensstil zu verbessern, als sich zu prostituieren. Für Geld verkauft er seinen Körper an Männern, zu der Zeit ein gefährliches Geschäft, und lässt sich mit Leuten ein, die auch noch andere Einkommesquellen haben. Panter. Oscar nennt sie Panter.
Ich sage immer, dass ich für Liebesgeschichten nichts übrig habe. Und das stimmt eigentlich auch. Vor allem dann nicht, wenn es um eine belanglose Romanze zwischen einem Mann und einer Frau geht. Doch dieser Roman hat es mir angetan. Zum einen, weil es nicht um die Lieben zwischen einem Mann und einer Frau geht, sondern zwischen zwei Männern. Und zum anderen, weil es mehr ist, als nur eine Liebesgeschichte. Es ist auch eine Geschichte über das Erwachsenwerden und über Selbstfindung. Spannend, lehrreich, rührend.
An sich hat der Roman ein ziemlich banales Thema: Die Liebe zwischen einem Modell und dem Maler, die aus verschiedenen Gesellschaftsschichten kommen, und zu allem Überfluss auch noch beide Männer sind. Doch die Autorin schafft es, daraus ein spannendes und anregendes Lesevergnügen zu machen. Die Sprache, in der die Geschichte erzählt wird, ist wunderbar, an einigen Stellen gradezu poetisch. Die Charaktere sind lebendig und liebenswert, wenn auch niemals perfekt. Man folgt Adrian auf seinen Irrwegen durchs Leben, lacht und weint mit ihm, hofft, dass er irgendwann doch sein Glück findet, und sein Leben kein schlimmes Ende nimmt.
Der Roman hat jede Menge Drama zu bieten, Väter, die ihre Söhne mit ihrem Hass in den Selbstmord treiben, Hausdiener, die in ihrer Freizeit 'Sodomiten' in dunklen Gassen verprügeln, Erpresser... Und dazwischen Adrian Mayfield auf der Suche nach seinem Märchenleben.
Ich habe das Buch sehr genossen, und kann es kaum noch erwarten, die Fortsetzung zu lesen. Auch wenn ich ein wenig Angst habe, dass die Geschichte wirklich kein gutes Ende nehmen kann. Wir alle wissen, wie die Geschichte mit Oscar Wilde und Bosie Douglas geendet hat...
Mood:
enthralled
2 | #
neurotisch
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